Agentengesteuerte Materialflusssysteme
In großen Containerumschlaghäfen werden jährlich bis zu acht Millionen Container verladen. In manchen Flughäfen rollen stündlich bis zu 20 000 Gepäckstücke über kilometerlange Laufbänder. Noch werden Anlagen wie diese vorwiegend zentral gesteuert, was einen erheblichen Steuerungsaufwand bedeutet. Die Anforderungen, die moderne Logistikkonzepte in Zukunft an innerbetriebliche Logistiksysteme hinsichtlich deren Flexibilität und Adaptivität stellen, lassen sich mit Steuerungssystemen der heutigen Generation nicht realisieren.
Autonome Lagerfahrzeuge und die Integration von Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) werden aber heute zunehmend auch für den Mittelstand interessant. Mit der zunehmenden Dynamisierung der logistischen Prozesse bedarf es vielfach solcher Steuerungssysteme, die eine ständige Anpassung an den logistischen Gesamtprozess gewährleisten. Besonders erfolgreich für die Entwicklung prozessadaptiver Steuerungssysteme sind Softwareagenten.
Ein Softwareagent ist ein längerfristig arbeitendes Programm, dessen Ablauf als eigenständiges Erledigen von Aufträgen oder Verfolgen von Zielen in Interaktion mit einer Umwelt beschrieben werden kann. Agenten sind reaktiv, wenn sie unmittelbar auf Reize aus der Umwelt reagieren, oder sie verfolgen Ziele proaktiv mit einem gewissen Grad an Eigeninitiative. Mobile Agenten können in andere IT-Systemumgebungen migrieren. Kooperation und Lernfähigkeit sind weitere Eigenschaften, die mit Softwareagenten realisiert werden können.
Multiagentensysteme (MAS) sind Systeme aus gleichartigen oder unterschiedlichen Softwareagenten, die miteinander interagieren, um kooperativ eine gemeinschaftliche Aufgabe zu bewältigen. Agentensysteme sind geeignet, Anlagen mit einer hohen Dynamik und Komplexität zu steuern und dennoch den Steuerungsaufwand zu minimieren. Durch die Dezentralisierung von Aufgaben genügen oft einfache Heuristiken für einen robusten und flexiblen Betrieb.
